„Wenn Wände reden könnten ...“

Zur Geschichte des Handdruckgebäudes

 

Das Gebäude war bis 1998 Teil des Betriebsgeländes der Firma KBC Manufaktur Koechlin Baumgartner und Cie. Das ehemalige Handdruckgebäude zählt zum kulturellen Erbe der Textilindustrie im Dreiländereck. Auf langen Drucktischen wurden hier bis 1929 wertvolle Stoffe mit Holzmodeln von Hand bedruckt.

Der viergeschossige Fabrikhochbau aus dem Jahr 1854 steht seit 1996 unter Denkmalschutz. Das Gebäude wurde von einer privaten Investorengruppe innerhalb von 14 Monaten nach dem Sanierungskonzept der Lörracher Architekten wilhelm und partner umgebaut und einer neuen Nutzung zugeführt. Es hat eine  Länge von 90 Metern und eine Gesamtnutzfläche von 4.200 Quadratmetern. Fenster, Decken, Attikabänder, das Dach und alle Details wurden nach heutigen Standards, aber nach historischen Vorbildern rekonstruiert.

 

Historische Holzdecke


Gusseiserne Stützen


Original Stahltür Innocel


Seit April 2002 ist das Gebäude Sitz des Innocel Innovations-Centers Lörrach, betrieben von der Wirtschaftsförderung der Stadt Lörrach. Das Innocel ist eine Standortgemeinschaft von jungen und bereits etablierten Unternehmen aus den Bereichen Life Sciences, Medizintechnik und Informationstechnologie.

 

Das Handdruckverfahren

 

Der Modeldruck 

Das älteste Stoffdruckverfahren ist der Handdruck mit hölzernen Druckstöcken, den Modeln. Im ehemaligen Handdruckgebäude wurden an bis zu 60 Meter langen Drucktischen fadengerade aufgespannte Stoffe in verschiedenen Qualitäten bedruckt. Jedem Handdrucker stand eine Art farbgetränktes Stempelkissen (Chassis) sowie ein mit Druckfarben gefüllter Keramiktopf zur Seite. Die mit Griffen versehenen Holzmodel wurden vom Drucker zuerst in das Chassis und anschließend auf die Stoffbahn gedrückt. Damit die Farbe gleichmäßig auf den Stoff übertragen wird, klopfte der Drucker mit einem eisenbeschwerten Schlegelstiel auf die Rückseite des Models. Danach wurde der Model erneut ins Chassis und wieder auf den Stoff gedrückt, genau im Anschluss an das bereits gedruckte Muster. Dem Drucker zur Seite standen sogenannte Streicherkinder, die nach jedem Andrücken des Models im Chassis die Farbe wieder nachfüllen und gleichmäßig verstreichen mussten. Im Schnitt schlug ein Drucker pro Tag 1100 bis 1500 Mal den Model auf den Stoff, in der Minute zwei- bis dreimal. Dies erforderte nicht nur viel Kraft in den Armen, sondern auch Geschicklichkeit, präzise Bewegungen und ständige Konzentration. Bis 1929 wurde bei der KBC das HanddruckVerfahren eingesetzt. 
 




Vor- und Nachbehandlung

Bevor die Rohware bedruckt werden konnte, musste sie abgeflämmt, gebleicht, gewaschen, getrocknet und fadengerade auf Warenbreite gespannt werden. Bei der Nachbehandlung wurden die Farbstoffe in der Faser fixiert und die Verdickungsmittel ausgewaschen. Erst wenn die Stoffe gedämpft, gewaschen und getrocknet waren, entfalteten die Farben ihre volle Leuchtkraft. In der anschließenden Appretur wurden die Textilien veredelt, sie bekamen Glanz und Griff und wurden je nach Kundenwunsch zusätzlich ausgerüstet. Bei der Endkontrolle in der Legerei wurde schließlich jeder Meter Stoff auf Schaumaschinen mit Unterlicht einer letzten Prüfung unterzogen, bevor er in den Versand ging.  
 
Holzmodel 

Die kunstvoll gearbeiteten Holzmodel aus Birnbaum- oder Buchsholz wurden von gelernten „Stechern“ hergestellt. Sie schnitzten die Musterentwürfe aus dem Holz aus. Später wurden auch Metallstifte, Drähte und gegossene Messingformen (clichierte Model) eingesetzt. Für jede Druckfarbe musste ein eigener Model hergestellt werden. KBC druckte einzelne Muster mit bis zu 20 Modeln. Aus dem Jahr 1881 ist überliefert, dass die Stecherei bei KBC pro Jahr zirka 6000 Handdruckmodel produzierte. 
 (Quelle: Ulrike Konrad, „Vom Veredeln der Stoffe – wie Textildrucke entstehen“, in: Gedruckte Träume, 250 Jahre KBC Lörrach, Lörracher Hefte Nr. 6, 2003, S. 76-88) 

Kontakt:

Marion Ziegler-JungGeschäftsführerin, Diplom-Volkswirtin07621 / 5500-105